Das Portrait

Was macht für mich ein gutes Potrait aus?

Menschen interessieren mich. Mich interessieren die Geschichten, die mit den Menschen verbunden sind. Die Geschichten, die Menschen erlebt haben, zeigen sich in ihrem Gesicht, in ihrem Ausdruck. Diese Geschichten in den Gesichtern möchte ich gern in meinen Portraits zeigen. Wenn etwas auf dem Bild ist, das mehr ist als das, was zu sehen ist, wenn die Geschichte des Menschen, den ich fotografiert habe sichtbar oder besser fühlbar ist, dann ist das Bild für mich ein gutes Portrait.

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass ich sehr unterschiedliche Erfahrungen mit unretuschierten Portraits gemacht habe. Es scheint so zu sein, das das Selbstbild der Menschen, die ich fotografiert habe, sich von dem entstandenen Bild zum Teil sehr stark unterscheidet. Dafür gibt es mehrere Erklärungen. Die naheliegenste ist vielleicht, dass man sich selbst nie seitenrichtig sieht, sondern immer nur das Spiegelbild. Das Spiegelbild prägt sich in unser Gedächtnis ein und deshalb muss ein Foto, dass ein Mensch von sich selbst sieht sich logischerweise fremd anfühlen. Das ist gerade bei Menschen der Fall, die sich noch nicht so häufig haben fotografieren lassen. Natürlich kommen auch die Sichtgewohnheiten hinzu, die durch Medienkonsum entstehen und sich ebenfalls als Vorstellungswelt in unser Gedächtnis eingraben.

Dem entgegenzuwirken ist nicht immer leicht und so manch einer hat Schwierigkeiten mit Falten oder ähnlichem, dass das Leben in sein Gesicht gezeichnet hat. Für mich als Fotografen macht genau das den Menschen aus und genau das macht den Menschen für mich schön.

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